Die 31. Nacht von Borgholzhausen - Deutscher Ansturm abgewehrt
Ngolepus übersteht Fitschens Strohfeuer
Ein Bericht aus dem Haller Kreisblatt
(Texte und Fotos)


Enges Duell: Charles Ngolepus (links) ist der Sieger der 31. Nacht von Borgholzhausen. Über fünf Meilen setzte sich der Kenianer hauchdünn vor Landsmann Nicholas Koech durch


Glanzlicht: Eunice Jepkorir knackte über die Fünf-Meilen-Distanz die vier Jahre alte Bestmarke von Kathrin Weßel.

Rekord als i-Tüpfelchen
FRAUEN-ELITE: Eunice Jepkorir rennt dem Feld davon

(cwk). Eine 24-jährige Kenianerin bot dem Publikum eine Galavorstellung: Eunice Jepkorir, die das Frauenrennen vom ersten bis zum letzten Meter do minierte – und das trotz namhafter Konkurrenz. Ihr einsames Solo mündete in den neuen Streckenrekord von 25:27 Minuten. Damit setzte sie das i-Tüpfelchen, verlieh der 31. »Nacht« besonderen Glanz. Hinter Milka Jerotich, der Ke-nianerin aus einem anderen Team, überzeugte die deutsche Hoffnung Susanne Hahn als Dritte und freute sich riesig über ihren Platz auf dem »Treppchen«.
Paderborn, Würzburg, Kassel, Oelde und jetzt auch Borgholzhausen: Eunice Jepkorir setzte ihren Siegeszug bei deutschen Cityläufen fort. Das macht selbstbewusst: „Es läuft zur Zeit wirklich gut für mich“, strahlte sie, „und ich möchte auch mein nächstes Rennen gewinnen, bevor ich wieder nach Kenia fliege.“ Mit wehendem Pferdeschwanz hatte die leichtfüßige Gazelle Runde für Runde absolviert; ihr Rhythmus nach Art eines Uhrwerks entfernte sie immer weiter von ihren Gegnerinnen. Elias Sansar ausgenommen, bot sie auch allen männlichen OWL-Konkurrenten Paroli und lief zeitgleich mit Michael Brand ein.
Als Kathrin Weßel vor vier Jahren ihren eigenen Streckenrekord auf 25:50 Min. verbesserte, lag sie gerade mal um zwei Sekunden vorn. Rekordnachfolgerin Jepkorir, die ihre Marke geradezu pulverisierte, sorgte auch insofern für ein Novum, als sie mit mehr als einer Minute Vorsprung vor der erst 20-jährigen Milka Jerotich einlief. Susanne Hahn verteidigte ihren Bronzerang problemlos gegen eine kurzfristig nachgemeldete »Geheimfavoritin«: Magdaline Chemjor hatte als beste Kenianerin den 5. Platz bei der Cross-WM 2003 belegt und ihr Team zur Silbermedaille geführt. Elf Monate nach der Geburt ihrer Tochter befindet sie sich aber erst wieder im Neuaufbau.
Susanne Hahn hatte die Erwartungen erfüllt und erklärte strahlend: „Dieser relativ kurze, aber wegen der Anstiege sehr interessante Lauf passte gut in mein Aufbaukonzept. Doch alle Vorbereitung gilt natürlich dem EM-Marathon in Göteborg, auf den ich mich sehr freue.“ Nach ihrem tollen Einstand in Rotterdam (2:32:34 Std.) wurde sie fest nominiert. Die erfolgreiche Straßen- und Crossläuferin musste ihre EM-Chance im Marathon suchen. „Ich bin keine Bahnläuferin“, betonte die 27-Jährige, der auch die Atmosphäre in Borgholzhausen gefallen hat.
Das schnellste Ehepaar der »Nacht 06« kommt aus Russland. Ludmilla Gurkina wurde Fünfte, 4:37 Minuten vorher war Alexiej Gurkin zur Nr. 3 avanciert. Die regionale Läuferszene wurde erneut klar von der im Night-Cup führenden Dissenerin Ilona Pfeif-fer (8.) angeführt; beste Solbaderinen waren die Klassensiegerinnen der W35 und W40, Annemarie Bluhm-Weinhold (14.) und Inge-borg Vogt (15.).

 
Dirk Strothmann                       Giesela Steinbeck

Dirk Strothmann nicht zu bremsen
VOLKSLAUF 10 MEILEN: Auch Steinbeck hoch überlegen

Borgholzhausen (cwk). Kurzfristig hatte sich Dirk Strothmann entschlossen, die zehn Volkslauf-Meilen zu absolvieren, statt im Hauptrennen das traditionelle Duell mit seinem Bruder Jörn auszutragen. Der Lokalmatador vom LC Solbad Ravensberg ließ vom ersten Meter an keine Zweifel an seinem Siegeswillen aufkommen und vergrößerte den Vorsprung bis auf 2:31 Minuten. Ähnlich souverän gewann Gisela Steinbeck (DJK Gütersloh) das FrauenRennen. Zweimal also ein Start-Ziel-Sieg, zweimal eine Demonstration.
Dirk Strothmann mag Wettkämpfe mit Sonne und Wärme, deshalb kam ihm die frühere Startzeit entgegen. „Außerdem müssen die Kinder ja auch mal ins Bett“, sagte er lächelnd beim Siegerinterview. Der »Große Preis«, den die Kreissparkasse Halle in ihrem Jubiläumsjahr für die Besten aus dem Altkreis ausgeschrieben hatte, blieb eine familiäre Angelegenheit. Denn gut vierzehn Minuten nach ihrem Ehemann sicherte sich auch Antje Strothmann die Prämie. Hand in Hand mit Töchterchen Lisa legte sie die letzten Meter zurück – freilich »nur« als Gesamtfünfte.
Als Dirk Strothmann nach der dritten und mittleren Zwei-Meilen-Runde längst am Hotel Meyer vorbeigelaufen war, bewältigte der Riesenbecker Robert Welp, 2001 Junioren-Westfalenmeister über 10 km, gerade erst den Anstieg an der Schulstraße. Nach 55:41 Min. lief der Solbader dann ins Ziel. Seit der Hauptdistanz-Verkürzung auf 5 Meilen war kein Läufer beim »Zehner« so schnell und so überlegen wie der Duathlon-EM-Dritte. Ex-Sieger Jose-Luis Gonzales holte Bronze und blieb noch unter dem Stundenlimit, das der Bielefelder Olaf Kreuzberg ganz knapp verpasste.
In die Top Ten liefen zwei weitere Solbader: Jürgen Bichof (60:58) als überzeugender M45-Klassensieger auf Rang 7 und Karsten Grube (63:08) auf Rang 10. Weiter hinten im Feld sah man den Dauergast der »Nacht« schlechthin: Hubert Straßgütl (SC Hameln), Sieger in seiner neuen Altersklasse M75, ist als einziger seit 1976 ununterbrochen dabei und verlängerte jetzt erneut.
Trotz großer Abstände und fehlender Zweikämpfe: Das Frauenfeld, prominent wie selten besetzt, konnte sich sehen lassen. Im Schatten der Hermannslaufzweiten Gisela Steinbeck, die mit fast 38 Jahren besser denn je ist, präsentierte sich die frühere holländische Weltklasseläuferin und dreimalige »Nacht«-Siegerin Carla Beurskens als unverwüstliche Seniorin. Auf Rang 2 rannte die 54-Jährige dem vor zwölf Monaten dominierenden Niedersachsenduo davon – der zweimaligen Hermannslaufsiegerin Manuela Köhne und der Elitelauf-Zweiten von 1990, Jutta Karsch.


Starkes Comeback: Carla Beurskens.

Jagt-Objekt: Markus Pape schüttelte die Verfolger erst spät ab.


Voll im Trend: Wilhelm Heitkämper war einer von 40 Walkern im Ziel

Immer unterwegs: Chef-Organisator Friedhelm Boschulte





Doppelte Premiere: J
an Fitschen (links) gab als Fünfter der fünf Meilen seinen Nachteinstand; Elmar Remus debüttierte als Rennsprecher. (Foto rechts).
Elitelauf der Männer:
Zwei Kenianer unter 23 Minuten

Borgholzhausen (cwk). Zwei Kenianer, die ein bis zur Ziellinie packendes Duell austragen; ein überraschend starker Russe auf »Bronze« und zwei deutsche Spitzenläufer, denen zwar nicht der ganz große Wurf, aber doch eine ansprechende Leistung gelingt: Das Männer-Eliterennen war abwechslungsreich, ohne allerdings den Streckenrekord (22:34 Min.) gefährden zu können. Trotz nahezu idealer Wetterbedingungen blieben nur Charles Ngolepus (22:56) und Nicholas Koech (22:58) unter 23 Minuten.
Jan Fitschens energischer Auftakt die Freistraße hinab ließ deutsche Hoffnungen aufkeimen. Doch bald stellte sich heraus, dass der Sturmlauf des in Osnabrück aufgewachsenen Wattenscheiders nur eine Art Strohfeuer war. Die Kenia-Phalanx übernahm bald das Kommando, in ihrem Sog zeigte sich der Russe Alexiej Gurkin von seiner besten Seite. Nach Runde 3 konnte aber auch er dem enteilten Spitzenduo nicht mehr ganz folgen; immerhin schaffte er es, die Lücke von ca. zwölf Sekunden nicht größer werden zu lassen und seinen 3. Rang sicher gegen den nachgemeldeten Kenianer Shadrak Kiyai zu verteidigen.
Charles Ngolepus – für die Experten ein ganz heißer Tipp, seit Manager Volker Wagner ihn Donnerstag nachmeldete – und in seinem Windschatten Nicholas Koech, trotz seines Frankfurter Halbmarathon-Streckenrekords eher ein Außenseiter auf den Sieg. „Ich wollte unbedingt gewinnen und bin deshalb konzentriert geblieben, aber auch zuversichtlich wegen meiner Spurtstärke“, blickte Charles Ngolepus auf seinen knappen Sieg zurück.
Der 22-jährige »Nacht«-Debütant gibt sich als typischer Kenia-Läufer: Höflich, freundlich, auf sympathische Art zurückhaltend. „In Wien bin ich mit 1:01:07 Stunden meine Halbmarathon-Bestzeit gelaufen“, berichtet er, „das war Streckenrekord und einer meiner größten Erfolge.“ Eine Weltklassezeit, wie sie die DLV-Asse noch nicht annähernd aufweisen können. „Ich bin ja Bahnläufer und muss dort im Vorfeld der EM den Schwerpunkt setzen“, sagt Jan Fitschen, der keineswegs unzufrieden wirkt: „Positiv war, dass ich zuletzt noch mal gekommen bin und Boden gutgemacht habe. Jetzt geht’s gleich ins Trainingslager nach St. Moritz, dann starte ich bim Europa-cup in Malaga über 3000m.“
Optimismus auch bei Alexander Lubina, der Neunter wurde: „Nach ein paar schwierigen Jahren möchte ich in Göteborg besser abschneiden als bei der letzten EM in München.“ Schnellster Ostwestfale war erneut Elias Sansar (24:29 Min./12.), auch wenn er sechs Tage nach dem gelungenen Marathondebüt noch nicht frisch genug war, seine 23:47 Min. aus dem Vorjahr zu wiederholen. Mit dem Brackweder Oliver Reins lieferte sich Jörn Strothmann einen spannenden Zweikampf, den er auf Rang 20 nur um eine Sekunde verlor. „Es geht wieder aufwärts“, freute sich Solbads Nr. 1 in diesem Rennen. Eine runde Leistung zeigte auch Tobias Limberg auf Platz 25, drittbester Läufer des LC war M40-Senior Udo Bonin (36.).


Auf die Plätze fertig los! Angefeuert vom Mama und Papa eröffneten die Bambiniläufer die 31. Nacht von Borgholzhausen.

König Fußball regiert auch in Pium
Weltmeisterschaft und Feiertag reißen Lücken auf und an der Strecke

Borgholzhausen (helm). König Fußball hatte auch die 31. Nacht von Borgholzhausen fest im Griff. „Die WM wird uns einige Zuschauer und Starter kosten. Aber so ist das nun einmal in diesem Jahr. Damit müssen und können wir leben“, hatte Organisationschef Friedhelm Boschulte der übermächtigen Konkurrenz schon am Vormittag gelassen entgegen gesehen.
Als es dann endlich losging, bewahrheitete sich Boschultes Vorahnung. Mit 1929 Meldungen lag die Zahl der Nacht-Starter deutlich unter der des Vorjahres (2174), woran sicher auch das durch Fronleichnam verlängerte Wochenende seinen Anteil hatte. Auch das Zuschaueraufkommen entlang der Strecke blieb trotz diverser Live-Übertragungen der WM-Partien bei der 31. Auflage des ältesten deutschen Citylaufs relativ übersichtlich. Eine offizielle Zahl gab es zwar wie in jedem Jahr auch diesmal nicht, doch als Gradmesser diente, dass sich der rund 300 Meter lange Weg vom Startbereich bis zum Ziel nicht nur für die stets eiligen Pressevertreter in wenigen Minuten und ohne größere Wartezeiten im Bereich von Würstchen- und Bierbuden zurücklegen ließ.
Auch auf der Strecke war der WM-Geist allgegenwärtig. Bereits im Bambinilauf waren Fuflball-Trikots jeder Couleur der modische Renner. Ganz oben in der Gunst der Nachwuchsläuferinnen und -läufer stand natürlich das weiße Jersey mit dem Bundesadler. Und während nach und nach die kenianischen Lauf-Asse in Pium eintrafen, gehörte die Aufmerksamkeit der Schoolrunner zunächst den Ballzauberern aus Ghana. Zu Hunderten verfolgten die Kids auf der Groflbildleinwand im Forum der PAB-Gesamtschule den 2:0-Sensationssieg der Afrikaner über Tschechien.
Ganz in Blau mit dem Schriftzug des Sponsors RWE auf der Brust ging derweil eine rund 100-köpfige Läufergruppe auf die zehn Meilen lange Strecke des Volkslaufes. Mit dem so genannten Referees-Run, hatte der Fuflball- und Leichtathletik-Verband Westfalen rund fünf Mal so viele Unparteiische nach Borgholzhausen gelockt wie im Vorjahr. „Wir sind sehr zufrieden“, freute sich Gundolf Walaschewski, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im FLVW, dass sogar einige Oberliga-Referees und Regionalliga-Assistenten den Weg nach Pium gefunden hatten. Als Schnellster überquerte am Ende Cetin Sevinc die Ziellinie. Seine tolle Fitness ist aber sicher nicht allein der Grund, weshalb der Dortmunder in den kommenden Tagen vom Verbands- zum Oberliga-Schiri aufsteigen wird, wie Walaschewski verriet.
WM-Fieber überall, das galt auch für die Starter auf der Strecke. Christina Musielak beispielsweise, Lokalmatadorin und spätere Siegerin im Feld der Speedskaterinnen, hatte sich aus Sympathie mit Klinsis Elf eine derart grofle Deutschland-Fahne auf die Schienbeine gemalt, dass Rennsprecher Stefan Schwenke diese auf die Entfernung zunächst als Blutspur in Folge eines Sturzes deutete. Erst im Ziel klärte sich das Missverst‰ndnis auf.
Im Dunkel der Nacht waren gerade die letzten Läufer des Elitelaufes angekommen und Schwenke hatte den 1:1-Endstand der Partie Italien - USA verkündet, da dröhnte es schon wieder aus den Boxen. „ 54, 74, 90, 2006ì“ feuerten die Sportfreunde Stiller mit ihrem WM-Hit die Nationalkicker an. Und wenn Deutschland am 9. Juli in Berlin tatsächlich den vierten Titel holt, dürfte Friedhelm Boschulte noch besser damit leben können, dass die Nacht in diesem Jahr dem Fuflball die Hauptrolle überlassen musste.


Eine Klasse für sich: Andrea Eskau zeigte der ausschließlich männlichen Konkurrenz im Handbiker-Rennen die Hinterreifen.

Lokalmatadoren müssen für den Sieg kämpfen
Inliner-Rennen: Musielak und Pape erneut vorn

Borgholzhausen (helm). Was für Auswärtige die Schulstraße ist, ist für Christina Musielak einfach „der Berg an der Eisdiele“. Wie im Vorjahr nutzte die 18-Jährige vom LC Solbad Ravensberg ihren Heimvorteil und gewann das Rennen der Inliner. Gleiches galt für ihren Vereinskollegen Markus Pape, der sich nach einer Auszeit 2005 den Titel auf der zehn Meilen langen Strecke zurückholte.
Von einem „harten Rennen“ sprachen beide Lokalmatadoren hinterher unisono. Christina Musielak hatte dabei vor allem mit der zähen Gegenwehr von Alexandra Krugljak zu kämpfen. Erst auf der Zielgeraden hängte die Solbaderin ihre Konkurrentin vom Team Ruhrboss 03 ab und brachte den hauchdünnen Vorsprung von einer Sekunde über die Runden. Bronze ging an die Vorjahreszweite, M40-Seniorin Manuela Azzolini, ebenfalls vom LC Solbad.
Lange um den Sieg zittern musste auch Markus Pape im Trikot des Zepto-Skate-Teams. In einer fünfköpfigen Gruppe setzte sich das Mitglied des deutschen Nationalkaders zwar von Beginn an ab, die Führung übernahm er jedoch erst kurz vor Schluss. „Respekt, die Jungs werden immer besser“, lobte Pape seine Solbader Teamkollegen Lukas Wannagat (2.), Matthias Kositzke (4.) und Florian Hanfl (5.), die für das Team der-rollenshop.de unterwegs waren. Ganze fünf Sekunden trennten das starke Quintett, in das sich noch der Hammer Markus Beulertz als Dritter einreihte, im Ziel. Dass er diesmal besonders gefordert wurde, war Pape recht. „Das war die ideale Vorbereitung auf die Bahn-DM in einer Woche“, sagte er zufrieden.