Home
aktualisiert am 22.5.2013

"Die Nacht", mit der eine Ära begann Drucken

Nun feiert sie ihre dreißigste Wiederholung, diese "Nacht von Borgholzhausen". Mit ihr wurde einmal eine heute blühende Lebensform des Laufsportes begonnen, eine Wegfindung, welche als beispielgebend für die Weiterentwicklung einer Sportart einzigartig sein dürfte.

Ich fühle mich geehrt, einleitend über diese Entwicklung schreiben zu dürfen und will dieses aus meiner inzwischen 48- jährigen Erfahrung als Aktiver in der ostwestfälischen Läuferfamilie gern tun... so ehrlich ich es vermag.

Es war damals im Sommer 1976 noch eine völlig andere Zeit im Sportgeschehen unseres Landes, als in Borgholzhausen die Idee geboren wurde, zu abendlicher Stunde durch die von Laternen- und Fackeln beleuchtete Innenstadt zu laufen. Damals zeigte die in den Sechzigern begonnene Volkslaufwelle ihre ersten Ermüdungserscheinungen. Kurzlebige aus dem Volkslauf geborene Trendssports kamen auf und brachen manchmal innerhalb weniger Jahre wieder zusammen, so wie beispielsweise das Volksgehen, der Ultralangstreckenlauf oder die Staffelläufe zu Partnerstädten.

Die Sport-Fachverbände wirkten - verunsichert und skeptisch- eher als Bremser denn als Förderer aller zeitgerechten Laufsportentwicklungen. Wer in diesen Jahren etwas Neues wirksam durchsetzen wollte, der musste neben einer guten Idee im Kopf dazu viel Durchsetzungsvermögen und Ausdauer und ferner noch ein gutes Team im Rücken haben. Das alles traf damals auf den Borgholzhausener Friedhelm Boschulte zu, der sich seinen recht jungen Läuferjahren bereits einen guten Namen als findiger und zuverlässiger Lauforganisator geschaffen hatte. 

Gleichzeitig aber schien der rührige Boschulte einen weniger guten Namen bei einigen damaligen Sportfunktionären zu haben, denn diese machten ganz offen keinen Hehl aus ihrer ablehnenden Haltung gegenüber den sportlichen Ideen aus Borgholzhausen. So war damals die Geburt der "Nacht von Borgholzhausen" für Friedhelm Boschulte ganz gewiss ein Wagnis, welches allein auf den Erlebnishunger der aktiven Läufer baute. Und Boschulte behielt mit seiner Idee und seinem Feeling für die laufsportliche Seele seiner Heimat voll und ganz recht. Begeistert schrieb bereits nach der ersten Veranstaltung die Läuferzeitschrift Spiridon:" Eine neue Laufidee ist gefunden worden, eine Idee, die ihren Weg machen wird." 

Und auch Spiridon behielt recht: Rasant entwickelte sich die Veranstaltung zu einem schnell über die regionalen Grenzen populären Renner im Laufsport, der in vielerlei Hinsicht richtungsgebend gewesen sein dürfte. So sehe ich es nicht als einen Zufall sondern als einen

unbestreitbaren Zusammenhang an, dass genau in den Jahren als die "Nacht von Borgholzhausen" ihren allerorts begeistert kommentierten Blitzstart gerade hinter sich hatte, die ersten großen Stadtmarathonläufe in Frankfurt und Berlin geboren wurden. Die heute mächtigen Organisatoren der Stadtmarathons mögen diesen Ideenzusammenhang vielleicht vehement abstreiten, wer aber damals bereits voll im ostwestfälischen Laufsport steckte, der kann sich ganz gewiss noch daran erinnern, was man sich zu dieser Zeit auf unseren Start- und Zielplätzen erzählte: 

" Stadtmarathon, das ist doch das Gleiche auf Marathonbasis, was die Borgholzhausener bei ihrer "Nacht" auf kürzerer Distanz entdeckt und entwickelt haben.

Ehre wem Ehre gebührt, und so dürfen Friedhelm Boschulte und die tatkräftigen Frauen wie Männer seines inzwischen stattlichen Teams nicht nur stolz darauf sein, einen guten Lauf 30 Jahre lang erfolgreich getragen zu haben. Sie mögen sich auch zu Recht als die Initiatoren eines inzwischen prächtig entwickelten Zweigs des Laufsportes fühlen, als die richtungsweisenden Pioniere der Cityläufe. 

Möge dieser Zweig unseres Sportes noch lange Zeit weiterblühen so wie auch das ganz Besondere an dieser "Nacht von Borgholzhausen" weiterhin ungebrochen bleiben möge.

Peter Gehrmann

 

© 2013 LC Solbad Ravensberg