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Die Läuferseele nimmt ein Bad                                                         (Haller Kreisblatt v. 14.03.2011)

Dieter Baumann begeistert mit seinem Kabarettprogramm 200 Fans in Borgholzhausen

¥ Borgholzhausen (ehu). Dieser Abend mache »Luscht« auf Laufen, verspricht Dieter Baumann auf Schwäbisch. Der Olympiasieger von 1992 im 5000-Meter-Lauf hat am Freitagabend im Forum der Gesamtschule Borgholzhausen sein Unterhaltungsprogramm »Körner, Currywurst, Kenia« präsentiert. Statt der erwarteten 150 klatschten am Ende mehr als 200 Zuschauer dem drahtigen Laufstar begeistert Beifall.

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 ...und alle machten mit!

 

„Wer läuft mindestens einmal in der Woche?“, fragt der 46-Jährige und bittet um Handzeichen. Da schnellen fast alle Hände nach oben. Denn im Publikum sitzen Ilona Pfeiffer, Antje Strothmann und viele andere lokal bekannte Langstreckenläufer und Leichtathleten. Für Baumann aus dem schwäbischen Blaubeuren wird der Abend so quasi zu einem Heimspiel.

Nur Borgholzhausens Bürgermeister Klemens Keller, der in der ersten Reihe sitzt, gibt fahrlässig preis, nur einmal in vier Wochen zu laufen. „Sie laufen also gar nicht“, stellt Baumann lakonisch fest. Und schon hat er Keller als »Running Gag« für sich entdeckt. Immer wieder baut er ihn mit spitzen Bemerkungen ein. Dabei spielt er nach seinem Olympiasieg in Barcelona mit seinem Image des erfolgreichsten Läufers Deutschlands. Zum Beispiel könne er in seinem Wohnort Tübingen nicht mehr Taxi fahren: „Was, Baumann, für das kurze Stück“, bekomme er dann immer zu hören. Voll besetzte Hotelfahrstühle, in denen er den Knopf zum ersten Stock drücke, seien ebenfalls problematisch. Mit viel Körpereinsatz veranschaulicht er seine Einblicke ins Profi-Läuferleben. Baumanns Sprache, Gestik und Mimik sind bei der Untermalung seiner Geschichten ebenso schnell wie seine Beine.

Von seinem chancenlosen Aufeinandertreffen mit dem marokkanischen Wunderläufer Said Aouita, seinem ernüchternden kenianischen Trainingslager bis zum Doping einer mit Nandrolon verseuchten Zahnpastatube – in Baumanns Programm nimmt die geschundene Läuferseele ein Bad und wäscht sich rein von Niederlagen und vom schmutzigen Verdacht des Betrugs.

Einem Mann im Publikum schenkt er in Anspielung an seine Dopingaffäre eine Zahnpastatube, einer Frau massiert er mit einem quirlartigen Massagegerät die Kopfhaut. Baumann steht für ehrlichen Sport. Er bezeichnet sich als »Lebensläufer«, der auf Nasenpflaster, Stützstrümpfe und »High-Energy-Speed-Gel« verzichte. Die Presse adelte den besten Langstreckenläufer Deutschlands einst und nannte ihn »den weißen Kenianer«.

Ende 2003 war für Dieter Baumann Schluss mit dem professionellem Laufen: „Dabei habe ich fast 20 Jahre gebraucht, bis die Leute im Schwabenland das Laufen als Schaffe (Arbeit) akzeptierten.“ Das Einzige was dem lustigen Abend fehlt, ist eine Zugabe. Stattdessen verabschiedet er sein Publikum so: „Ab morgen wird gelaufen und nicht geschwätzt.“

 

 

 

 
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