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Ilona Pfeiffer gewinnt den DM-Ttitel im Marathon (aus HK v. 7.5.) Drucken

 

Mainz/Borgholzhausen (cwk). Eine Sternstunde für den LC Solbad, für die Altkreis-Leichtathletik und zuallererst für Ilona Pfeiffer selbst: Mit einem Leistungssprung auf 2:46:13 Std. holte sie gestern in Mainz den DM-Titel, noch dazu gewann sie als erste Deutsche den Internationalen Gutenberg-Marathon. Um 12.04 Uhr klingelte beim LC-Vorsitzenden Friedhelm Boschulte das Telefon, ZDF-Mann Norbert König informierte ihn, dass Ilona Pfeiffer dem Sieg zustrebe.

 
     Ihr Start-Ziel-Erfolg überraschte die Experten und brachte die Kommentatoren des SWR, der den Marathon im »Dritten« live übertrug, in Verlegenheit. Adhoc fanden sie nur ihr Steinfurter Ergebnis vom März heraus. In den Fokus ihrer Reportage hatten sie die zweimalige WM-Starterin Manuela Veith-Zipse (Bestzeit 2:30:58 Std./1998) rücken wollen. Kurz vor 10 Uhr, eine knappe halbe Stunde nach dem Start, kam plötzlich Ilona Pfeiffer ins Bild – neben dem Radfahrer, der die führende Läuferin begleitete.

     Deren Namen konnte auch Co-Kommentator Herbert Steffny, der »Nacht«-Sieger von 1985, nicht nennen; wenig später stellte sein Kollege sie als Läuferin vom »LC Solbad Ravensburg« vor. „Die ersten 10 km ist sie in knapp über 37 Minuten gelaufen“, berichtet ihr Trainer Bernhard Hippler. Wann würde sich dieses irrsinnige Anfangstempo bei weiter steigenden Temperaturen rächen? Hippler, der gegen Ende des Rennens 29 Grad von einem Thermometer ablas, hält es für taktisch richtig, dass sie so früh Druck gemacht und sich von der Konkurrenz gelöst hatte.

     Der Trainer sah sie seltener als die Fernsehzuschauer, zuletzt beim 30. und beim 35. Kilometer. „Da machte sie nicht mehr den besten Eindruck“, fand der besorgte Trainer. Auf dem Bildschirm hatte man sie die Halbmarathonmarke in 1:20:05 Std. passieren sehen – und das mit sicherem Vorsprung vor Zipse (1:21:01). „Sie wirkt selbstbewusst und schaut sich nicht um, was die Konkurrenz aufbauen könnte“. lobt Steffny. Sie mache alles richtig, sagt er auch, als sich die Solbaderin zur Kühlung eine Flasche Wasser über den Kopf kippt.

     Dann konzentrieren sich die Fernsehbilder auf das Männerrennen; wer mit Ilona Pfeiffer mitfiebert, wird auf die Folter gespannt. Endlich, um kurz vor 11 Uhr, erscheint das blaue LC-Trikot wieder kurz im Bild. Offenbar noch immer kein Hitzeeinbruch bei Ilona Pfeiffer – unfassbar. Ihre Schlussphase begleiten die Kameras fast lückenlos. Auch die Schrecksekunden, als sie sich mehrmals in die Seite greift. Magenprobleme dürfte sie laut Coach Hippler eigentlich nicht haben: „Ihr Frühstück bestand aus Tee und einem halben Brötchen mit Honig, ins Rennen hat sie noch drei Power-Gel-Riegel mitgenommen.“

     Fordert der Parforceritt doch noch seinen Tribut? Aber Ilona Pfeiffer hält durch, bringt gut 100 Meter Vorsprung vor der zuletzt stark aufkommenden Frankfurterin Birgitt Bohn (2:46:37 Std.) ins Ziel. Die Polin Krystyna Kuta (2:48:11) wird Gesamtdritte, Manuela Zipse (2:52:58) nur Achte. Die Befreiung ist der Solbaderin vom Gesicht abzulesen: „Ich bin so glücklich, das Ziel als Siegerin erreicht zu haben“, strahlt sie. Und auf ihre nationale Konkurrenz angesprochen, gesteht sie: „Ulrike Maisch und andere habe ich schon im Fernsehen gesehen; ansonsten kenne ich keine.“

     Der neue Kreisrekord, mit dem sie die Bielefelderin Heike Mohn (2:49:11 Std.) entthront hat, ist angesichts des spektakulären Erfolgs zweitrangig. Aber diese 2:46:13 Std. werden durch die Hitze enorm aufgewertet. Wo Ilona Pfeiffers Grenzen bei idealen Bedingungen liegen, muss sich erst noch zeigen.

 
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