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Luisenturmlauf des LC Solbad Ravensberg: 753 Sportler trotzen Sturm und Matsch      Westfalen-Blatt 3.3.
Sprintduell krönt einen stürmischen Tag
Jörn Strothmann siegt vor Bruder Dirk Wetterkapriolen lassen Ausrichter schwitzen
Von Gunnar Feicht und Marcel Bohnensteffen (Text und Fotos)
Borgholzhausen (WB). Das hat es in der 14-jährigen Geschichte des Luisenturmlaufs auch noch nicht gegeben: Auf der langen Distanz (mit der neuen Streckenführung 22 km) entschied ein Sprintduell unter Brüdern über den ersten Platz. Auf der Zielgeraden im Ravensberger Stadion wehrte Jörn Strothmann die Spurtattacke seines Bruders Dirk mit einem entschlossenen Antritt ab und trug sich in die Siegerliste ein.

 

03_ltl_4spEs war ein denkwürdiges Volkslaufereignis, das die Organisatoren reichlich Nerven kostete. Unwetterwarnungen schienen alle Planungen über den Haufen zu werfen. Krisengespräche und der Entwurf von Notfallplänen sorgten auch beim LC Solbad für eine stürmische Nacht. Nicht zuletzt aufgrund heftiger Regenfälle stand der Lauf bis Samstag gegen zwölf Uhr auf der Kippe. Vorsitzender Friedhelm Boschulte: »Als Notlösung hätten wir einen kompletten Straßenlauf Richtung Wellingholzhausen anbieten können in Absprache mit der Polizei und mit einer völligen Umbesetzung der Streckenposten.« Dirk Strothmann hatte mit seinem Online-Kartensystem »web4map« schon den Ausweichkurs ausgearbeitet, als es doch grünes Licht für den schweren Kurs durch den Wald gab.
»Der Sturm hatte nachgelassen, die Unwetterwarnung wurde am späten Vormittag zurückgenommen. Nachdem wir die Laufstrecke von Ästen befreit hatten, bestand kein Risiko mehr für die Aktiven«, so Friedhelm Boschulte. Auf seinem Handy herrschte Daueralarm rund 40 Anrufe besorgter Läuferinnen und Läufer. Die Entscheidung für den planmäßigen Start getroffen nach Streckenbesichtigung, Abwägung der Wetterlage und Rücksprache mit der Försterin erwies sich als richtig: Abgesehen vom tiefen Boden fanden die Läufer reguläre Bedingungen vor. Allerdings hatten sich doch einige Voranmelder vom Wetterszenario abhalten lassen: 961 Anmeldungen (das wäre absoluter Teilnehmerrekord gewesen) standen 753 »Finisher« in allen drei Disziplinen gegenüber.
Über 22 km erkämpfte sich Jörn Strothmann einen weiteren Erfolg mit hohem Stellenwert nur eine Woche nach seinem zweiten Platz in der M35-Wertung der WM im Wintertriathlon. Strothmann musste dafür alles geben: »Ich dachte, ich hätte das Rennen im Griff. Aber als Dirk in der letzten Kurve draufgedrückt hat, da habe ich doch gezweifelt«, sagte der jüngere der beiden Brüder nach dem Spurt-Finish.
Er hatte schon im ersten langen Anstieg ziemlich viel Kraft gelassen, weil er sich an die Fersen eines alten Rivalen heftete. Ulrich Petri (früher Bad Salzuflen/jetzt VfL Wolfsburg) hatte ursprünglich für die Langdistanz gemeldet, sich dann jedoch für die 12 km entschieden. Was den Konkurrenten aber erst klar wurde, als der Winterlaufcupsieger von 2005 an der Streckenteilung auf dem Teuto-Kamm nach gut sechs Kilometern links abbog.
03_ltl_start »Um an ihm dran zu bleiben, habe ich wohl etwas zu sehr aufgedreht«, meinte Jörn im Rückblick. Sein Bruder Dirk gab auf dem superschweren Kurs mit gut 500 Höhenmetern alles und schloss schließlich zur Spitze auf. Aber am Ende musste er dem Jüngeren gratulieren. Erst gegen Mittag hatte er sich Samstag zur Teilnahme entschlossen, übernahm die Startnummer seiner Frau Antje, die wegen des starken Windes verzichtete.
Als wetterfest erwies sich die überlegene Frauen-Siegerin Kirsten Heckmann. Die Hermannslauf-Erste von 2006 gewann mit sieben Minuten Plus vor ihrer Brackweder Klubkameradin Antje Brinkmann, die aus Oesterweg stammt. »Die neue Streckenführung hat mir sehr gut gefallen. Der starke Wind hat mir wenig ausgemacht«, sagte Kirsten Heckmann. Das Erfolgserlebnis tut ihr gut, nachdem 2007 wegen Knieproblemen und einer hartnäckigen Bronchitis ein verkorkstes Jahr war: »Seit Anfang des Jahres geht es im Training wieder besser. Ob ich den ðHermannÐ laufe, ist aber noch offen.«

Fotos: G. Feicht (WB)


Eindrucksvolle Comebacks
Emma für Ingmar Lundström ein doppelter Glücksfall

Borgholzhausen (WB). Während bei den Frauen Ilona Pfeiffer (LC Solbad) ihren Vorjahressieg wiederholte, waren die 11,4 km bei den Männern das Rennen zweier eindrucksvoller Comebacks. Ingmar Lundström wird den 1. März in Verbindung mit dem Namen Emma ausschließlich in positiver Erinnerung behalten: Denn am Tag des gleichnamigen Sturmtiefs feierte er seinen ersten Sieg nach monatelangen Verletzungsproblemen. Und im Ziel konnte der Isselhorster sein siebenmonatiges Töchterchen in die Arme schließen. Der Name? Na klar: Emma...
»Wenn man sieben Monate nicht richtig trainieren konnte, dann ist das schon ein gutes Gefühl«, freute sich der Ex-Solbader, der jetzt für DJK Gütersloh startet. Nach einer hartnäckigen Knieverletzung ist er seit Dezember wieder regelmäßig in Laufschuhen unterwegs. Die Wettkampfsaison 2008 soll in erster Linie dem Triathlon gehören. Lundström hat sich mit dem NRW-Ligateam des TSVE Bielefeld einiges vorgenommen. Läuferisch setzt er sich keine konkreten Ziele, auch wenn ihm der Sieg auf seiner Spezialstrecke sichtlich Spaß bereitet hat: »Am Ende der langen Steigung an Ulrich Petri dran zu bleiben, das war ein richtiger Gewaltakt. Bergrunter konnte ich ihn dann etwas abhängen, das lief besser als erwartet.«
Voll motiviert ist auch wieder Markus Würfel vom LC Solbad. Abgesehen von einem kurzen Intermezzo 2006 hatte der mittlerweile 38-Jährige einige Jahre lang keine Wettkämpfe bestritten - und lief bei seinem ersten Rennen am Samstag auf Anhieb schon wieder auf den siebten Rang. »Ich bin seit Dezember fünfmal die Woche im Training und merke: Ich habe richtig Lust aufs Laufen, die Motivation ist da«, sagt der Hermannslauf-Vierte von 2001. Rank und schlank wie in den besten Tagen, hat Würfel ehrgeizige Ziele: »Bisher habe ich nur Grundlagentraining gemacht. Mit entsprechenden Tempoeinheiten sind 5000-m-Zeiten um oder unter 16 Minuten schon in dieser Saison ein realistisches Thema.« Interessant, wie sich Würfel in den wettkampflosen Jahren fit gehalten hat: »Mit Fahrradtouren über bis zu drei Wochen. Ich bin nach Oslo gestrampelt, habe Monaco gesehen und am Strand im Zelt übernachtet. Lediglich die Rom-Reise ist gescheitert: Da hat der Drahtesel seinen Geist aufgegeben und ich bin nur bis Livorno gekommen.« Jetzt vertraut er wieder seiner Schnelligkeit per pedes und könnte schon bald mit den Strothmann-Brüdern ein superstarkes M35-Trio bilden.
Unterdessen war Ilona Pfeiffer trotz ihres Sieges nicht ganz glücklich: »Einige Männer, die sonst hinter mir ankommen, waren so schnell weg. Ich musste mir erstmal das passende Männerkreuz suchen, um etwas Windschutz zu bekommen.
 
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