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Retro-Running: LC wird Pionier im Norden Drucken

 

Ausblick auf DM im Retro-Running am Sa. 15. August

(v. cwKreft - Haller Kreisblatt)

     Borgholzhausen (cwk). Rückwärtslaufen als Sportart mit Meisterschaften und Rekorden: Wer erstmals davon hört, reagiert in der Regel verwundert, empfindet solche Aktivitäten vielleicht als kurios oder skurril. „Kein Scherz!“, so antizipierte Dirk Strothmann mögliche Reaktionen in einer E-Mail, die über die Austragung der DM 2009 im Ravensberger Stadion informierte. Am 15. August werden die nationalen Titelkämpfe der »Retrorunner« in das Samstag-Programm des Solbader Mehrkampfmeetings integriert.

 

     Die Vorgeschichte: Am Silvestertag 1998 wurde das traditionelle 1000-m-Laufduell der Brüder Dirk und Jörn Strothmann um einen 400-m-Rückwärtslauf erweitert. Antje Strothmann, die nach Einschätzung ihres Ehemanns Dirk „über besonders gut ausgeprägte koordinative Fähigkeiten verfügt“, forderte ihre männliche Konkurrenz heraus und legte als Siegerin die Stadionrunde in 1:30,9 Min. zurück. Was damals niemand ahnte, weil die Existenz von Rekordlisten sich noch nicht herumgesprochen hatte: Diese Zeit wäre Weltrekord gewesen; erst im August 2007 lief eine Frau mit 1:29,0 Min. schneller als die Solbaderin.

     Als vor einiger Zeit im LC die Idee aufkam, den Rahmen des Solbader Läuferabends am 14. August zu nutzen und mit einem eigenen Team die Staffel-Weltbestzeit der Frauen über 4x200 m anzugreifen, nahm man Kontakt zu den deutschen Retrorunning-Funktionären auf. Und die fragten ihrerseits an, ob der LC nicht bereit wäre, auch die DM (die dann erstmals im Norden stattfinden würde und hier neue Interessenten finden könnte) auszurichten. Da bot sich der erste Mehrkampftag mit seinen Pausen auf der Bahn an – der Verein sagte zu.

     Fachleute sehen das Rückwärtslaufen auch als sinnvolle Ergänzung des Trainingsprogramms »normaler« Läufer. Es schult die Koordination und kann zur Verbesserung eines effektiven Bodenabdrucks beitragen. Die Schrittlänge ist rund dreißig Prozent kürzer als beim Vorwärtslaufen; deshalb muss man als Retrorunner vor allem an der Schrittfrequenz und einem möglichst kurzen Abdruck arbeiten. Kürzlich widmete sogar die Fernsehsendung »Galileo« dem Rückwärtslaufen einen Beitrag, der jetzt online abrufbar ist (u.a. auf www.youtube.de).

     Aus vereinzelten Rekordversuchen fürs Guiness Buch der Rekorde hatte sich eine an die Leichtathletikregeln angelehnte, aber eigenständige Sportdisziplin mit einer richtigen Wettkampfszene vom 100-m-Lauf bis zum Marathon entwickelt. Getragen wird sie nicht von einem offiziellen Verband, sondern von einer Art Interessengemeinschaft, die sich im Internet unter www.retrorunning.de präsentiert. Hierzulande liegt der Schwerpunkt im süddeutschen Raum, zu den Zentren zählt Horgau (Landkreis Augsburg), wo Samstag auch die Straßenlauf-DM über 1000 m stattfindet.

     Die Retrorunning-Bewegung, deren Anhänger schon euphorisch von einer „neuen Trendsportart“ sprechen, verbreitet sich längst international – vor allem in Europa. 2008 richtete das italienische Städtchen Pietrasanta in der Toskana die zweite WM aus. Die Weltrekordliste, in der bereits alle Kontinente vertreten sind, kann sich sehen lassen: Der deutsche Sprinter Roland Wegner legte »retro« die 100 m in 13,6 und die 200 m in 32,38 Sek. zurück; Thomas Dold, mehrmaliger Gewinner des Empire-State-Building-Treppenlaufs in New York, verbesserte die Rekorde über 400 m auf 69,56 Sek. und über 1000 m auf 3:20,09 Min.

     Vorgestern besuchte ein WDR-Fernsehteam das Probetraining im Ravensberger Stadion. Die Wettkämpfe Mitte August stehen übrigens nicht nur den »Profis« offen: Jeder, der eine neue körperlichen Herausforderung sucht, kann teilnehmen. Gewertet wird in drei Altersklassen (Jugend, Hauptklasse, Senioren); die Staffeln sind altersübergreifend. Ausschreibung, Zeitplan und weitere Informationen auf der LC-Homepage (www.lcsolbad.de).

 
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