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Schwingung im Reich der Stille Drucken

Haller Kreisblatt 4.8. / Heiko kaiser 

 Gehörlosen-Sportler Markus Bednarek führt in Borgholzhausen die Familientradiiton fort.

  

 Borgholzhausen (ais). „Sie hört Musik nur, wenn sie laut ist“, sang einst Herbert Grönemeyer. Würde er Markus Bednarek aus der Nachbarstadt Essen kennen, hätte der Refrain des Bochumer Sängers vielleicht so gelautet: „Er hört den Startschuss nur, weil er so laut ist.“ Der 19-Jährige stellte beim Piumer Mehrkampfmeeting zwei Junioren-Weltrekorde im Bereich des Gehörlosen-Sports auf.

Glücklich umarmte Miroslaw Bednarek seinen Sohn Markus, als dieser die letzte Zehnkampf-Disziplin, den 1500-Meter-Lauf, mit Bravour gemeistert hatte. Der »Vatertrainer« wusste: 5689 Punkte bedeuten eine neue Weltbestleistung. Zuvor hatte sein Sprössling trotz knapp drei Metern Gegenwind pro Sekunde auch über 110-Meter-Hürden eine neue globale Bestmarke gesetzt.

dsc_0269_0Doch Rekorde sind in der Familie Bednarek nichts Ungewöhnliches. 43-mal taucht der Name in den Schüler-Leichtathletik-Rekordlisten des deutschen Gehörlosen-Sports auf, elf aktuelle deutsche Bestmarken hält die Familie im Senioren- und Seniorinnen-Bereich. Doris, Sarah, Lidia und David heißen die Geschwister von Markus. Sie sind wie er sehr erfolgreiche Athleten – und das nicht nur im Stadionrund. Die Kinder von Miroslaw Bednarek trumpfen auch in anderen Sportarten groß auf: Doris holte bei der Beach-Volleyball-EM den vierten Platz, Sarah ist amtierende Vizeweltmeisterin im Fußball, David weilt derzeit mit der Volleyball-Nationalmannschaft bei den Titelkämpfen in Argentinien. Die Bednareks füllen mehrere Seiten im »Who-is-who« des Gehörlosen-Sports. Motor dieser Entwicklung ist Vater Miroslaw. Noch heute hält der ehemalige Sieben-Meter-Springer mit 6951 Punkten den Europarekord im Zehnkampf und fünf deutsche Bestmarken. Bei den »Deaf-Olympics«, den Olympischen Spielen für Gehörlose, holte er fünf Gold- und zwei Bronzemedaillen. Kein Wunder also, wenn die Rekordmarken des Sohnes mit Freude, aber routiniert zur Kenntnis genommen werden.

Markus Bednarek, der Feinmechaniker werden will, hat sich auf den Stabhochsprung spezialisiert, die technisch wohl schwierigste Leichtathletik-Disziplin. In dieser belegte bereits als 16-Jähriger bei seinen ersten »Deaf-Olympics« Platz sechs. „Ich möchte irgendwann über fünf Meter springen“, lautet sein Ziel, das er auf einem Zettel notiert. „Und bei den nächsten Spielen in Taipeh Gold holen.“ Dort wird auch sein Vater sein – als Trainer der Nationalmannschaft. Der konnte in seiner aktiven Zeit das Startsignal nicht hören. „Ich musste nach dem Rauch schauen“, schreibt er und lacht. Sein Sohn hat es etwas besser: Den Knall der Pistole nimmt er wahr. Nur eine kleine Schwingung im Reich der Stille – doch eine Schwingung mit Weltrekordpotenzial.

 

 
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